121812_2113_ZarteVersuc2.jpg

Zarte Versuchung mit schlimmen Folgen

Geschrieben von Dr. Mathias Ehrlich am in Hunde, Katzen

Liebe Leserinnen und Leser,

nachdem ich mich nun über das Thema der Dicken Hunde und Katzen etwas ausgelassen habe, leider noch lange nicht erschöpfend, rücke ich  heute einer der möglichen Ursachen der Obesitas des Menschen zu Leibe. Weihnachtszeit ist Schlemmerzeit. Da gönnt man sich was Gutes. Und Schokolade gehört zu Weihnachten einfach dazu. Natürlich soll auch der vierbeinige Hausgenosse nicht leben wie Hund. Ein wenig Süßes kann ja nicht schaden. Leider doch! Nicht alle Hundehalter wissen, dass die süße Versuchung weitreichende Folgen haben kann. Schokolade ist für Hunde im wahrsten Sinne Gift.

 Gift

Schuld ist das in der Schokolade beziehungsweise in der Kakaobohne enthaltene Theobromin. Je nach Schokoladenart ist der Theobromin-Anteil unterschiedlich hoch. Weiße Schokolade wird mit 0,009 mg/g angegeben, Bitterschokolade kann bis zu 16 mg/g enthalten, Kakaopulver sogar bis 26 mg/g. Eine Tafel (100 g) Bitterschokolade enthält rund 1.600 mg (also 1,6 g) Theobromin.

 Dosis

Bei empfindlichen Hunden kann schon eine Dosis von 90 bis 250 mg je Kilo Körpergewicht für den Hund tödlich sein. Bei einem Verzehr von 300 mg ist bereits die sogenannte 50 Prozent Letaldosis erreicht. Das bedeutet, dass die Hälfte aller Hunde bei Aufnahme dieser Menge stirbt. Diese Dosis ist mit einer Tafel Bitterschokolade bereits erreicht bzw. überschritten, wenn der Hund etwa 5,5 Kilogramm oder weniger wiegt. Kleinere Hunderassen sowie Welpen und Junghunde sind also besonders gefährdet.

 Symptome

Aber auch wesentlich kleinere Mengen können zu Vergiftungserscheinungen mit Symptomen wie Unruhe, Übelkeit, Krämpfen, Durchfall und Fieber führen. Todesfälle sind zumeist auf Herz-Kreislaufversagen zurückzuführen. Zudem ist auch die wiederholte Fütterung kleinerer Mengen problematisch. Theobromin baut sich im Körper nur sehr langsam ab, so dass es zu Anreicherungen im Blut kommen kann.

 

Schokoladengenuss wird meist dann zum Problem, wenn der Hund heimlich und unkontrolliert herumliegende Schokolade nascht. Das können Hundehalter verhindern, indem sie die Süßigkeiten so aufbewahren, dass der süße Liebling nichts stibitzen kann. Mit „Schokoladendieben“ sollte man sofort zum Tierarzt gehen. Für Menschen ist Theobromin übrigens völlig ungefährlich. (Quelle: http://www.bft-online.de)

 Behandlung

Die Behandlung einer frischen Vergiftung erfolgt zuerst durch das Auslösen von Erbrechen , um Schokoladenresteaus dem Magen zu entfernen. Die Gabe von Aktivkohle verhindert die Resorption des Giftes aus dem Darm und Infusionen verdünnen das Gift im Blut. Einen Tierarzt Müssen Sie in jedem Fall hinzuziehen, um das Überleben Ihres Hundes zu ermöglichen, da nur dieser die schweren Herzstörungen mit entsprechenden Medikamenten behandeln kann.

Prognose

Eine Behandlung innerhalb der ersten zwei bis vier Stunden zeigt noch eine gute Prognose. Je länger sich die Vergiftung hinzieht, um so schwerwiegender sind die Schäden der inneren Organe und um so schlechter ist die Prognose. Auch wenn einzelne Quellen noch nach 36 Stunden eine erfolgreiche Behandlung versprechen, so zeigen doch einige Beispiele eines Schweizer Hospitals ernüchternde Ergebnisse.

Fallbeispiele

1. Ein Hund hat frisch zerkleinerte Kakaobohnenschalen gefressen. Symptome: Krämpfe, Konvulsionen Therapie: Keine Verlauf: Stirbt noch am selben Tag (Quelle: Drolet et al, 1984).

2. Zwei Englische Bulldoggen (Rüde und Hündin, beide 2 Jahre alt) haben je ein Stück Kuchen mit Schokoladenglasur gefressen (etwa 20-30 g Schokolade). Symptome: Kollaps, Schaum vor dem Maul, Konvulsionen, Tod innerhalb weniger Minuten nach Einlieferung. Sektion: Keine auffällige Veränderungen (Quelle: Stidworthy et al, 1997).

3. Eine Springer Spaniel-Hündin (21 kg) hat am vorangegangenen Abend 1 kg Milchschokolade gefressen. Daraufhin war sie nachts unruhig und hat Urin verloren. Später bekam sie Krämpfe. Therapie: Keine Labor: Theobromin-Konzentration im Serum: 133 mg/L Verlauf: Tod 15 Stunden nach Aufnahme der Schokolade (Quelle: Glauberg & Blumenthal, 1983).

 

Liebe Tierfreunde, verhindern Sie ein Schreckensszenario und essen Sie die Schokolade, welche in Massen in vielen Wohnungen herumliegt, lieber selbst.

Seien Sie ganz herzlich gegrüßt, haben Sie noch eine schöne Woche, geniessen Sie Ihre Pralinés und schlafen Sie gut, Ihr Dr. Mathias Ehrlich


Tags:, , , ,

Trackback von deiner Website.

avatar

Dr. Mathias Ehrlich

Dr. Mathias Ehrlich, geboren 1969 in Dresden. Studium in Berlin bis 1996. Tierarzt in Dresden-Langebrück seit 1996. Promotion 2010 in Leipzig.

Kommentare (3)

  • avatar

    Katzenfreund

    |

    Ja, hier auch noch etwas von mir als Beitrag zu diesem Thema… ist allerdings alles ziemlich zum Gruseln, finde ich.

    Unter >http://www.efsa.europa.eu/en/efsajournal/doc/contam_op_ej725_theobromine_en,0.pdf?ssbinary=true< finden sich nämlich noch ein paar spezielle Grausamkeiten, was den Schokoladen- und Kakao-Konsum von Hunden angeht… Kapitel 6.6, p. 37 ff.

    Schade nur, daß über Katzen nichts weiter zu lesen ist als das beinahe banale "No studies were found on intoxication of cats, which is probably because cats don’t like chocolate."

    Im übrigen stimmt das ja auch gar nicht…

    weiß ganz sicher
    Ihr Katzenfreund.

    Herzliche Grüße und allen ein schönes erholsames Wochenende!

    Antworten

    • avatar

      Katzenfreund

      |

      Upps, der Link sieht ’n bissel arg verrutscht und derangiert aus, aber ich glaube, er funktioniert doch… das Reinschauen, denke ich, lohnt wirklich… falls die Zeit reicht. Irgendwann…

      Liebe Grüße!

      Antworten

  • avatar

    HAGEDISE

    |

    Also, wenn ich das jetzt richtig hochrechne, dann sind 10 Tafeln Bitterschokolade auch für den Menschen schon tödlich, bei einer LD 50 von ca. 280 mg/kg Körpergewicht…. pro Tag. Na ja… gut. Habe ja auch noch nie 10 Tafeln meiner „Rucksackschokoladen“ am Stück an bedürftige Waldwanderfreunde „verfüttern“ müssen; die armen ausgezehrten Weggenossen waren meist mit wesentlich weniger zufrieden. Und das, zudem, mit nicht geringem Genuß; denn – „Theobromin besitzt eine diuretische, gefäßerweiternde sowie herzstimulierende Wirkung und relaxiert die glatte Muskulatur. Insgesamt ähnelt die Wirkung von Theobromin auf den menschlichen Organismus der des Coffeins, ist aber deutlich schwächer. Als anregende Substanz wird es oft mit Coffein verwechselt; es hat aber auch deutlich andere Effekte auf den Organismus, da es mild und dauerhaft anregend, aber auch stimmungsaufhellend wirkt.“ Naja, was Besseres kann es ja eigentlich fast nicht geben… außer vielleicht doch ein ordentlicher Cappucchino eines namhaften Schweizer Herstellers, wie ich ihn mir gerade eben wieder gönne… was ich, nebenbei gesagt, auch im Walde gerne tue.
    Neee, Spaß beiseite – der Beitrag ist wirklich richtig gut und wichtig, zumal in dieser Zeit! Und ich wünsche ihm möglichst viele aufmerksame Leser! So genau war ich mir dieser Problematik, ganz ehrlich gesagt, selbst auch noch gar nicht bewußt. Naja, daß Hunde keine Zwiebeln knabbern sollten… und von allem anderen stets auch nur in Maßen… jaja, das war mir bisher schon klar. Aber, daß es mit all den gerade eben wieder überbordenden Schokoladenherrlichkeiten derartig komplex & vor allem auch gefährlich zugehen kann, das habe ich doch eben erst richtig begriffen. Danke, Herr Doktor!!! Nun habe ich ernsthaft Grund, meine Katzen von der Nutella-Dose zu verscheuchen; und die Hunde meiner Freunde kriegen bei mir ab sofort auch nur noch absolut „schokoladenfrei“ zu knabbern… Gut ist es zu wissen, was man falsch machen kann. Und es dann nicht zu tun. Man sollte sich besser fühlen… denke ich. Vielleicht gibt es ja noch mehr Sachen und Dinge, die man wissen müßte…? Theobromin… Schokolade… Zwiebeln… sind es ja vielleicht nicht allein?!? Was, lieber Herr Dr. Ehrlich, sollte man denn noch beachten bei der Fütterung von Hund und Katz‘, egal, ob eigenes oder gerade eben gastlich zu beherbergendes befreundetes pelziges Vierfüßerchen? Was wäre, außer Schokoladenknabberglück, denn noch so zu vermeiden??? Und, ja… stimmt das mit den Zwiebeln denn überhaupt???

    Das fragt, und dankt noch einmal sehr sehr herzlich für den schönen informativen -und rundum wärmstens zu empfehlenden!- Beitrag

    Ihre
    H.

    (Schläft nicht, muß noch arbeiten. Zum Glück gibt’s Cappucchino!!!)

    Herzliche Grüße in die Runde… Kommen Sie alle gut und wohlbehalten durch diese -wie wir jetzt wissen- derart gefährliche Zeit!!!

    Und lassen Sie sich’s trotzdem schmecken…

    ***

    Antworten

Kommentieren

%d Bloggern gefällt das: